„Ohne Gerechtigkeit konnten wir einfach nicht weitermachen“

Sie dokumentierte Folter und kämpft gegen Straflosigkeit: Mandira Sharma über Nepals demokratischen Wandel

Interview: Peter Dietzel. Fotos: Regina Polle

Als 1990 die Demokratiebewegung durch Nepal fegte, war Mandira Sharma noch Schülerin. Drei Jahrzehnte später zählt sie zu den prominentesten Verteidigerinnen der Menschenrechte im Land. Im Interview spricht sie über den Kampf gegen Folter, Verschleppungen während des Bürgerkriegs, die Herausforderungen der Übergangsjustiz nach dem Friedensprozess und ihre Hoffnungen in eine neue Generation, die politischen Wandel einfordert. Dr. Mandira Sharma leitet heute das Asien- und Pazifik-Programm der Internationalen Juristenkommission (International Commission of Jurists) mit Sitz in Kathmandu. Zudem ist sie Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Advocacy Forum.

Was haben Sie im Frühjahr 1990 gemacht, als die Demokratiebewegung Nepal erfasste?

Mandira Sharma: Als die Bewegung begann, ging ich in die zehnte Klasse. Einige der Lehrkräfte, die wir besonders mochten, engagierten sich stark für die Demokratie. Also ging ich zu einer dieser Demonstrationen, ohne viel darüber zu wissen, einfach weil einige unserer Lehrer dort waren. Proteste waren zu dieser Zeit verboten. Ich nahm meinen Neffen mit, denn normalerweise ging ein Mädchen nicht allein zu solchen Veranstaltungen. Wir wurden beide von der Polizei verprügelt. Aber wir konnten unseren Eltern nichts davon erzählen, denn sie hätten uns so etwas niemals erlaubt. Ich konnte kaum laufen und bekam Fieber, weil ich von den Schlagstöcken schwere Verletzungen am Rücken davongetragen hatte. Das war meine erste Erfahrung mit einer Demonstration.

Einige Monate später kam ich nach Kathmandu. Die Bewegung war erfolgreich und Nepal führte die Mehrparteiendemokratie ein. Ich schloss mich einer Organisation an, die medizinische Versorgung für Folteropfer anbot. Viele Menschen, die ich kannte, waren zu dieser Zeit inhaftiert. Als sie freikamen, waren sie veränderte Menschen. So kam ich zum ersten Mal mit diesem Thema in Berührung. Ich sah, wie Folter die Persönlichkeit eines Menschen zerstören kann.

Die Demokratiebewegung von 1990

Im Frühjahr 1990 beendete ein landesweiter demokratischer Aufstand, bekannt als Jana Andolan I („Volksbewegung“), das parteilose Panchayat-System, das die politische Macht seit drei Jahrzehnten in den Händen der Monarchie konzentriert hatte. Getragen von einem breiten Bündnis demokratischer Kräfte, mobilisierte die Bewegung Hunderttausende Menschen im ganzen Land.
Die Sicherheitskräfte reagierten mit Verhaftungen, Gewalt und tödlicher Repression gegen Demonstrierende. Doch der anhaltende öffentliche Druck zwang König Birendra, politische Reformen zu akzeptieren. Im April 1990 wurde das Verbot politischer Parteien aufgehoben. Das ebnete den Weg für eine neue Verfassung und die Wiedereinführung der Mehrparteiendemokratie.
Obwohl Jana Andolan I einen historischen demokratischen Durchbruch markierte, blieben viele soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten bestehen. Die Frustration marginalisierter Gruppen – darunter Frauen, Dalits und indigene Gemeinschaften – trug später zu den politischen Spannungen bei, die den Bürgerkrieg in Nepal befeuerten.

Als die Mehrparteiendemokratie eingeführt wurde, haben Sie vermutlich auch gefeiert?

Überall im Land wurde gefeiert. Ich ging auf einen Platz in meiner Heimatstadt Baglung, wo Reden gehalten wurden. Zum ersten Mal fanden solche Dinge öffentlich statt. Plötzlich öffnete sich vieles. Zum Beispiel waren NGOs nun erlaubt – zuvor gab es die nicht. Viele engagierte Menschen gründeten Organisationen, die sich mit Menschenrechten und anderen öffentlichen Anliegen befassten. Unabhängige Radiosender entstanden. Die Medien begannen, unterschiedliche Perspektiven zu vermitteln, statt nur die offizielle Sichtweise wiederzugeben. Ich wurde Teil dieser Entwicklung.

Ich dokumentierte die Geschichten von Menschen in Gefängnissen. Wir untersuchten, wie Folter unser Justizsystem beeinflusste – ob unschuldige Menschen durch Folter zu Geständnissen gezwungen wurden und deshalb für Jahre im Gefängnis landeten. Zum ersten Mal reiste ich mit einem interdisziplinären Team durch verschiedene Regionen des Landes und analysierte unterschiedliche Aspekte des Systems. Dadurch lernte ich auch die Situation weiblicher Gefangener kennen. In den Gefängnissen waren viele Frauen und auch viele Kinder. Das hat meine Sicht auf das Justizsystem grundlegend verändert.

Diese Erfahrung hat Sie dazu gebracht, sich für Menschenrechte einzusetzen.

Genau. Während ich mit medizinischen Fachkräften zusammenarbeitete, bestand meine Aufgabe darin, Berichte über Folter in Haft zu dokumentieren und Betroffenen Hilfsangebote zu vermitteln. Obwohl Folter in Nepal damals nicht strafbar war, sollte ich diese Erlebnisse auch aus rechtlicher Perspektive festhalten. Dadurch entwickelte ich schon früh die Fähigkeit, alle Aspekte von Folter systematisch zu dokumentieren: wo sie stattfand, wie lange sie dauerte, welche Formen angewendet wurden und wie häufig. Ich begann zu verstehen, dass bestimmte Foltermethoden meist ganz bestimmte Folgen haben. Die Symptome, die Menschen beschreiben, stehen häufig in direktem Zusammenhang mit konkreten Folterpraktiken.

Ich wurde in verschiedene Initiativen hineingezogen, arbeitete unter anderem mit tibetischen und bhutanischen Flüchtlingen zusammen. Viele Menschen, die ihre Heimat verlassen hatten, waren zuvor gefoltert worden. Frauen hatten sexuelle Gewalt erlebt. Nach zehn Jahren dieser Arbeit wurde mir klar, dass Rehabilitation und medizinische Unterstützung für Folter-Überlebende zwar enorm wichtig sind, aber nicht ausreichen. Denn zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden bereits angerichtet.

Dadurch stellten Sie sich die Frage, wie sich Folter verhindern lässt?

Ich ging nach Großbritannien, um zu untersuchen, ob das Recht helfen könnte, die Situation zu ändern – ob das Völkerrecht helfen könnte. Zu dieser Zeit hatten wir in Nepal gerade begonnen, über internationales Recht zu sprechen. Menschenrechte waren für uns ein sehr neues Thema. Erst die politischen Veränderungen der 1990er Jahre schufen die Möglichkeit, dass Nepal internationale Menschenrechtsabkommen ratifizierte. Die Antifolterkonvention der Vereinten Nationen war eines davon; der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte ein weiteres. Wir hatten diese Verträge unterzeichnet, wussten aber nicht wirklich, was sie bedeuteten. Ich wollte mehr darüber erfahren. Ich hatte in Kathmandu Jura studiert, doch in Nepal gab es keine spezialisierten Studiengänge zu diesen Themen. Ich hatte das Glück, ein Stipendium der britischen Regierung für mein Masterstudium zu erhalten. Glücklicherweise war einer meiner Betreuer Nigel Rodley.

Nigel Rodley?

Er war UN-Sonderberichterstatter über Folter und eine sehr prominente Persönlichkeit. Ich hatte mich für die University of Essex entschieden, weil er dort lehrte, wusste damals aber noch nicht viel über ihn. Der Studiengang hat meinen Horizont enorm erweitert. Mir wurde klar, wie viel auf internationaler Ebene geschah, womit wir uns in Nepal nie beschäftigt hatten. Ich belegte internationales Strafrecht, forschte zu Frauenrechten und Kindern in Haft – zu den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Praxis und dazu, wie andere Länder mit diesen Fragen umgingen. 2001 schloss ich meinen LL.M. ab (Anm. d. Red.: International Master of Laws). Als ich nach Nepal zurückkehrte, wollte ich etwas tun, um Folter zu verhindern.

Das war die Zeit der Gewalt. War es überhaupt möglich, sich mit Folter zu befassen?

2001 wurde der Ausnahmezustand verhängt. Viele Rechte waren ausgesetzt. Es herrschte große Angst. Der Bürgerkrieg eskalierte. Doch der Studiengang, den ich in Großbritannien absolviert hatte, gab mir Selbstvertrauen. Ich weiß nicht, woher es kam, doch ich hatte so viel Selbstvertrauen. So wandte ich mich an einige meiner Professoren in Kathmandu. Meist erhielt ich zur Antwort, dass niemand mir glauben würde, weil ich noch sehr jung war. Wenn ich eine Organisation gründen wolle, die Folter verhindern will – insbesondere Folter in Polizei- oder Militäreinrichtungen –, wer würde uns dann jemals Zugang zu diesen Orten gewähren? Und wie könnten wir es wagen, Beschwerde gegen diese Organe einzureichen? Ich hielt dagegen, dass ich die rechtlichen Mittel kenne, die Verfassungsbestimmungen, die Verträge, die Nepal unterzeichnet hatte, und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen. Und wenn nationale Mechanismen versagten, gäbe es auch internationale Mechanismen.

Zunächst bildete ich einige Leute – hauptsächlich Studierende – in allem aus, was ich in Großbritannien gelernt hatte. Fünf Studierende arbeiteten etwa fünf Monate lang mit mir zusammen. Ich teilte alles, was ich wusste, mit ihnen. Einige von ihnen schlossen sich mir an, um die Organisation Advocacy Forum zu gründen. Wir wollten Polizeigewahrsamseinrichtungen besuchen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen – wenn wir sie überwachten, würden sie vielleicht Angst vor der Kontrolle von außen haben und nicht auf Folter zurückgreifen.

Zunächst schulte ich fünf Studierende in allem, was ich in Großbritannien gelernt hatte, fünf Monate lang. Mit einige von ihnen gründete ich die Organisation Advocacy Forum. Wir wollten Hafteinrichtungen besuchen. Wenn wir diese kontrollieren, würde das vielleicht eine abschreckende Wirkung haben und die Polizei würde nicht auf Folter zurückgreifen. Wir führten auch Beratungsgespräche mit Polizeibeamten durch und erklärten ihnen, dass Gefangene rechtlich nicht gefoltert werden dürften. Sowohl die Verfassung als auch unsere internationalen Verpflichtungen würden das verbieten.

Hatten Sie Zugang zu den Haftanstalten?

Niemandem wurde der Zugang gewährt. Also beriefen wir uns auf das verfassungsmäßige Recht eines jeden Angeklagten auf juristischen Beistand. In der Praxis hatte damals kein einziger Inhaftierter Zugang zu Anwälten. Selbst unter Richtern und Anwälten herrschte die Auffassung, dass Anwälte nur vor Gericht gebraucht würden. Ich argumentierte, dass Anwälte gerade unmittelbar nach der Festnahme gebraucht würden, denn das sei die Phase, in der Inhaftierte am stärksten gefährdet seien und ihre Rechte am ehesten verletzt würden. Das Recht auf Rechtsbeistand war selbst unter dem Ausnahmezustand nicht ausgesetzt worden.

Sie haben an vielen Fronten gleichzeitig gekämpft.

Ich wandte mich an meinen Professor in Verfassungsrecht, er war zudem ein angesehener Anwalt. Er meinte: „Du warst eine sehr gute Studentin. Wenn du glaubst, dass du das schaffen kannst, werde ich dich unterstützen, so gut ich kann.“

Dann ging ich zur britischen Botschaft und sagte: „Ihr habt mein Studium in Großbritannien finanziert. Das und das habe ich gelernt, das und das sind meine Erfahrungen. Ich möchte etwas tun, aber ich brauche finanzielle Unterstützung.“ Glücklicherweise hatte einer der politischen Referenten dort zuvor für eine Anti-Folter-Organisation gearbeitet. Er erkannte sofort die Bedeutung meiner Idee und unterstützte sie. Wir erhielten eine sehr kleine Anschubfinanzierung. Dadurch konnten wir Haftanstalten besuchen und Inhaftierten Rechtsbeistand leisten.

Anfangs verwehrte uns die Polizei den Zugang. Also lud ich meinen Professor sowie einige pensionierte Richter ein. Wir erläuterten Nepals internationale Verpflichtungen, warum Rechtsbeistand vom Moment der Inhaftierung an notwendig ist und weshalb dies ein verfassungsmäßiges Recht darstellt. Wir argumentierten, dass wir die Angelegenheit vor den Obersten Gerichtshof bringen würden, falls die Behörden den Zugang weiterhin verweigerten. Nach mehreren Gesprächsrunden – oft vertrauliche Treffen auf hoher Ebene – wurde uns gestattet, die Inhaftierten zu besuchen.

Was haben Sie in den Hafteinrichtungen erlebt?

Das Ausmaß der Folter übertraf alles, was wir uns vorgestellt hatten. Fast jede Person, die wir befragten, hatte Folter erlebt. Es hatte System. Vielen Gefangenen wurden tage- oder sogar wochenlang mit verbundenen Augen festgehalten. Einige beschrieben, wie ihre Beine auf Holzbretter geschnürt wurden, bis das Fleisch aufriss. Andere berichteten, dass Salz in offene Wunden gestreut wurde oder dass sie gezwungen wurden, auf demütigende Weise zu urinieren. Sorgfältig dokumentierten wir alles, im Polizeigewahrsam wie in militärischer Haft. Wir gingen nicht an die Öffentlichkeit, um Anschuldigungen zu erheben. Stattdessen brachten wir die Fälle bei den Konsultationen mit Richterinnen, Staatsanwälten, Polizisten und Anwälten zur Sprache. Sie sollten das Ausmaß der Folter verstehen und gemeinsam darüber nachdenken können, wie sie verhindert werden könnte.

Handelte es sich dabei hauptsächlich um politische Gefangene?

Nicht unbedingt. Das hat uns überrascht. Es betraf auch gewöhnliche Strafverdächtige. Viele mutmaßliche Maoisten waren zuvor in militärischen Haftanstalten gewesen. Je mehr Fälle wir dokumentierten und weitergaben, desto häufiger sagten uns internationale Botschaften und UN-Organisationen, dass niemand sonst derart systematische Beweise zusammentrage. Ihre finanzielle Unterstützung half uns, unsere Arbeit auf weitere Bereiche auszuweiten – etwa auf das Verschwindenlassen von Menschen, außergerichtliche Hinrichtungen und sexuelle Gewalt.

Unsere Arbeit weitete sich aus. Wir dokumentierten Menschenrechtsverstöße, leisteten Rechtsbeistand und begannen, Beweise dafür zusammenzutragen, was tatsächlich im Land geschah. Offiziell wurden viele Getötete als Terroristen beschrieben, die bei „Zusammenstößen“ mit Sicherheitskräften ums Leben gekommen seien. Doch unsere Untersuchungen ergaben oft etwas anderes: Viele dieser Menschen waren zunächst vor den Augen ihrer Familien, Nachbarn und Dorfbewohner festgenommen worden. Dann waren sie mehrere Tage in Haft gewesen und anschließend an einem anderen Ort getötet worden. Die öffentlich verbreiteten Darstellungen waren häufig erfunden.

Bis 2004 war unsere Organisation erheblich gewachsen. Wir hatten bereits rund 120 Mitglieder, sowohl Freiwillige als auch hauptamtlich Mitarbeitende.

Dem Staat dürfte diese Arbeit kaum gefallen haben.

Überhaupt nicht. Eine unserer Strategien bestand jedoch darin, die Behörden nicht öffentlich anzuprangern. Stattdessen gaben wir die Beweise diskret an Organisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International oder UN-Gremien weiter, die daraufhin Berichte veröffentlichten.

Anfangs hielt uns niemand für eine Bedrohung, da wir so jung waren. Doch irgendwann erkannten die Behörden, dass wir diejenigen waren, die die Beweise für diese internationalen Berichte zusammentrugen. 2004 verzeichnete die UN-Arbeitsgruppe über das Verschwindenlassen die weltweit höchste Zahl neuer Fälle aus Nepal. Die meisten davon hatten wir dokumentiert. Auch der UN-Sonderberichterstatter für Folter griff zahlreiche unserer Fälle auf. Dadurch geriet Nepal erstmals ernsthaft unter internationale Beobachtung. Gleichzeitig wurde diese Beweislage auch innerhalb Nepals weithin bekannt. In den Jahren 2005 und 2006 waren wir intensiv damit beschäftigt, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren, internationale Akteure einzubinden und auf nichtmilitärische Lösungen für den Konflikt zu drängen.

Wie haben Sie diese Zeit psychisch überstanden?

Ein Vorteil war, dass ich durch meine frühere Arbeit bereits mit psychischen Auswirkungen und Bewältigungsstrategien vertraut war. Als unsere Arbeit zunahm, begleiteten Organisationen wie Peace Brigades International einige unserer Anwältinnen und Anwälte. Die halfen uns auch, Sicherheitsrisiken einzuschätzen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln. UN-Organisationen unterstützten uns ebenfalls bei Sicherheitsanalyen. Mehrmals musste ich das Land vorübergehend verlassen, kehrte aber immer wieder zurück.

Anfangs betrachteten weder das Militär noch die Maoisten uns als ernsthafte Bedrohung. Doch als wir begannen, auf Grundlage konkreter Beweise Rechenschaft einzufordern, stiegen die Risiken dramatisch. Wir vertraten viele inhaftierte Maoisten, sie waren damals besonders häufig Opfer illegaler Haft, von Folter und Verschleppung. Niemand wagte es, in ihrem Namen Klage zu erheben. Wir taten es. Wir erwirkten die Freilassung von Hunderten von Menschen, darunter auch hochrangige Führungspersonen. Später jedoch, als die Maoisten selbst an die Macht kamen, verhinderten diese Führer ebenfalls eine Rechenschaftspflicht, da auch ihre Seite schwere Menschenrechtsverletzungen begangen hatte.

Doch zunächst musste die Gewalt zwischen den beiden Seiten beendet werden.

Wir haben uns sehr aktiv für eine Verhandlungslösung eingesetzt, da wir nicht glaubten, dass ein militärischer Sieg möglich war. Wir wollten der internationalen Unterstützung ein Ende setzen, die den Bürgerkrieg verlängerte. Nach dem 11. September waren die Maoisten als Terroristen eingestuft worden. Es bestand die Gefahr einer massiven militärischen Eskalation mit internationaler Unterstützung. Unsere Dokumentationsarbeit machte die menschlichen Kosten des Krieges sichtbar. Dies führte zur Einrichtung von UN-Beobachtungsmissionen in Nepal. Ich sagte mehrfach vor Parlamenten verschiedener Länder über Menschenrechtsverletzungen in Nepal aus. Nach US-Recht durften Militäreinheiten nicht unterstützt werden, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren. Deshalb sprachen wir uns gegen jede Unterstützung des Militärs aus und drängten stattdessen auf politische Lösungen.

Ich war zudem an mehreren Studien in abgelegenen Regionen des Landes beteiligt, bei denen wir Menschen befragten, warum sie sich dem bewaffneten Kampf angeschlossen hatten. Viele erzählten ihre persönliche Geschichte, immer wieder ging es auch um Korruption, Diskriminierung und Ausgrenzung. Wir brauchten eine friedliche politische Lösung, die die Ursachen der Gewalt anging.

Dann gingen 2006 eine Million Menschen auf die Straßen.

Während der Demokratiebewegung 2006 bestand unsere Aufgabe darin, zu beobachten, wie viele Menschen verhaftet wurden, wie viele verletzt wurden, und sicherzustellen, dass niemand im staatlichen Gewahrsam verschwand. Wir positionierten uns an verschiedenen Orten in Kathmandu und in den Distrikten, kontinuierlich verfolgten wir die Ereignisse. Jeden Abend erstellten wir Berichte und schickten sie an die UNO, Botschaften, die Nationale Menschenrechtskommission und wichtige Menschenrechtsorganisationen. Erst wenn diese Arbeit erledigt war, gingen wir nach Hause. Das prägte die Wahrnehmung des Konflikts. Die internationale Gemeinschaft drängte auf Friedensverhandlungen. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens am 21. November 2006.

Die Volksbewegung von 2006 und der Friedensprozess

Von 1996 bis 2006 war Nepal vom gewaltsamen Konflikt zwischen dem Staat und der maoistischen Volksbefreiungsarmee (People’s Liberation Army) geprägt. Der Krieg war gekennzeichnet durch Massaker, das Verschwindenlassen von Menschen, Folter, sexuelle Gewalt und andere schwere Menschenrechtsverletzungen, die von allen Konfliktparteien begangen wurden. Mehr als 17.000 Menschen verloren ihr Leben.
Der maoistische Aufstand verfolgte das Ziel, die Monarchie zu stürzen und eine Volksrepublik zu errichten. Die Bewegung fand insbesondere unter Frauen, indigenen Gemeinschaften und Dalits Unterstützung, von denen viele gegen tief verwurzelte Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung aufbegehrten.
Im Jahr 2006 zwang eine breite pro-demokratische Bewegung, bekannt als Jana Andolan II, König Gyanendra dazu, die direkte Herrschaft abzugeben. Die politische Öffnung ebnete den Weg für Friedensverhandlungen und die Unterzeichnung des Friedensabkommens (Comprehensive Peace Accord) am 21. November 2006, das den zehnjährigen bewaffneten Konflikt formell beendete.

Konnten Sie Ihre Erfahrungen aus der Menschenrechtsarbeit in die neue Verfassung einbringen?

Genau das ist geschehen, sowohl im Friedensabkommen als auch in der Verfassung. Die Verfassung enthält viele Grundrechte, für die wir uns eingesetzt haben. Außerdem wurden auch einige verfahrensrechtliche Schutzmechanismen verankert. Zum Beispiel konnten wir das absolute Verbot von Folter durchsetzen. Ebenso gelang es uns, Entschädigungsregelungen aufzunehmen. In der nepalesischen Verfassung steht ausdrücklich, dass jede beschuldigte Person vom ersten Moment ihrer Festnahme an das Recht hat, einen Rechtsbeistand zu konsultieren. Diese Formulierung geht unmittelbar auf unsere praktischen Erfahrungen zurück. Wir haben uns auch nachdrücklich für die Aufnahme von Bestimmungen zur Übergangsjustiz eingesetzt. Es gab mehrere verfassungsrechtliche Konzepte und Formulierungen, zu denen wir direkt beitragen konnten.

Wir waren die erste Organisation, die das Konzept der Übergangsjustiz in Nepal eingeführt hat. Wir luden Expertinnen und Praktiker aus vielen Ländern ein, ihre Erfahrungen zu teilen, organisierten zahlreiche hochrangige Diskussionen und Veranstaltungen. Zudem brachten wir die betroffenen Menschen zusammen, moderierten Tausende von Treffen in lokalen Gemeinschaften. Dank der starken Unterstützung internationaler Organisationen konnten wir diese Arbeit durchführen.

Doch irgendwann mussten Sie das Land aus Sicherheitsgründen verlassen?

Ja. Nach dem Friedensprozess waren wir sehr zuversichtlich, dass es endlich einen echten Prozess der Rechenschaftspflicht geben würde – mit einer Wahrheitskommission, der Dokumentation der Geschehnisse, Gerechtigkeit für die Opfer und Entschädigungen. Politische Führer versicherten uns immer wieder, dass sie die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen würden. Gleichzeitig enthielt das Friedensabkommen viele Verweise auf Menschenrechtsverpflichtungen. Sie unternahmen jedoch keine ernsthaften Anstrengungen zur Aufarbeitung der Gräueltaten. Stattdessen wollten sie eine Untersuchungskommission im früheren Stil einrichten: mit der Absicht, die Forderungen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Rechenschaft zu entschärfen.

Einmal trafen wir uns mit dem damaligen Premierminister, da wir seine Unterstützung suchten. Er sprach erstaunlich offen mit uns und sagte uns, dass er sowohl den Maoisten als auch dem Militär bereits zugesichert habe, dass ihnen nichts passieren würde. Seiner Meinung nach brauchte Nepal Stabilität und Entwicklung, und diese Akteure müssten in das politische System integriert werden. In diesem Moment wurde uns klar, dass es eine Absprache gab, keine Rechenschaft für die begangenen Verbrechen zu verlangen.

Für uns jedoch war es nach allem, was wir zwischen 1990 und 2006 erlebt hatten – die Folter, das Verschwinden von Menschen, die Morde, die sexuelle Gewalt und unsere engen Beziehungen zu den Opfern –, unmöglich, einfach ohne Gerechtigkeit weiterzumachen. Nicht eine einzige Person war jemals zur Verantwortung gezogen worden. Kein einziger Folterfall hatte zu einer Strafverfolgung geführt. Also half ich dabei, eine Strategie zu entwickeln, um die Straflosigkeit in den Vordergrund zu rücken.

Was beinhaltete diese Strategie?

Wir beschlossen, strategische Klagen einzureichen. Zum ersten Mal in der Geschichte Nepals begann Advocacy Forum, Strafanzeigen gegen sehr hochrangige Personen zu erstatten und Ermittlungen zu verlangen. Viele hielten das für unmöglich. Doch wir konnten die Justiz davon überzeugen, die Relevanz des internationalen Rechts anzuerkennen, samt der Verpflichtung zur Untersuchung schwerer Menschenrechtsverletzungen. Wir erwirkten Gerichtsbeschlüsse, die polizeiliche Ermittlungen in Fällen anordneten, an denen hochrangige maoistische Führer und Polizei- wie Militäroffiziere beteiligt waren. In einem Fall waren mehrere Militärangehörige involviert; in einem anderen wurde ein Minister mit der Entführung, Folter und Ermordung eines Geschäftsmannes in Verbindung gebracht. Jeden Schritt seiner Beteiligung hatten wir dokumentiert.

Gleichzeitig verfolgten wir auch international verschiedene Strategien. Dazu gehörte auch, zu verhindern, dass Offiziere mit schwerwiegenden Menschenrechtsverstößen an UN-Friedensmissionen teilnehmen konnten.

Das hat Sie nicht gerade beliebter gemacht.

Wir waren einem Ausmaß an Druck ausgesetzt, das wir nie erwartet hätten. Die Aufsichtsbehörde für NGOs verzögerte die Genehmigung unserer Aktivitäten. Ich wurde öffentlich als Staatsfeindin bezeichnet und beschuldigt, im Auftrag westlicher Interessen dem Ansehen Nepals zu schaden.

Wir entdeckten auch Versuche, unser Büro zu infiltrieren. Eines Tages kam ein Kollege auf mich zu und gestand, dass er unter Druck gesetzt worden war, vertrauliche Dokumente weiterzugeben. Etwa zur gleichen Zeit verschwanden wichtige Beweisdateien von unseren Computern, auf eine Weise, die äußerst professionell wirkte. Interne Dokumente wurden geleakt, darunter Strategiepapiere. Danach verschärften sich die Angriffe gegen uns.

Die Maoisten reagierten heftig. Mein Foto erschien in Zeitschriften, die mich als Verräterin bezeichneten. Ihre Radiosender schürten Feindseligkeit. Mir wurde geraten, das Land zu verlassen.

Politische Parteien und Regierungen versuchten immer wieder, allen Beteiligten Amnestie zu gewähren, manchmal durch die Entscheidung, Fälle nicht weiterzuverfolgen, manchmal durch Begnadigungen. Gerichtliche Anordnungen zur Aufnahme von Ermittlungen wurden offen missachtet. Deshalb setzte ich mich dafür ein, über die nationale Ebene hinauszugehen. Unseren politischen Entscheidungsträgern sollte deutlich werden, dass das internationale Recht die universelle Gerichtsbarkeit etabliert hat und dass ihr Versagen auf nationaler Ebene internationale Konsequenzen haben kann.

Gelang das?

Nachdem wir alle Rechtsmittel in Nepal ausgeschöpft hatten, unterstützten wir 2015 in Großbritannien den Prozess gegen einen Oberst der nepalischen Armee. Auf Grundlage universeller Gerichtsbarkeit war er dort festgenommen worden. Ihm wurden Folter und das Verschwindenlassen von Menschen zur Last gelegt. Das erzeugte erneut enormen Druck, und viele Leute rieten mir, das Land zu verlassen. Ich wollte zurückkommen und hier weiterarbeiten. Heute halte ich mich in der Öffentlichkeit zurück. Was ich gelernt habe, gebe ich an die junge Generation weiter. Ich kann mich heute offen mit Militärs und ehemaligen Maoisten treffen – das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie nicht wollen, dass ich sie der universellen Gerichtsbarkeit aussetzt.

Im September 2025 stürzte eine von der Generation Z getragene Protestbewegung die Regierung. Seit März 2026 ist eine neue Regierung im Amt. Welche Erwartungen haben Sie?

Ich bin vorsichtig optimistisch. Natürlich gibt es Spannungen und viele Herausforderungen. Doch zum ersten Mal erleben wir, dass nicht nur eine bestimmte Gruppe Veränderungen fordert, sondern das ganze Land. Das hat sich an den Wahlurnen gezeigt. Das Ergebnis ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach Veränderung, einschließlich ihres Wunsches, dass sich die politischen Parteien Nepals ändern.

Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, wie viel Energie und Überzeugung ich hatte, als ich noch sehr jung war. Ich glaubte wirklich, alles verändern zu können. Eine solche Furchtlosigkeit ist für einen Wandel notwendig. Wir brauchen junge Menschen, die unbekümmert sind, die sich nicht ständig um mögliche Konsequenzen sorgen, die fest daran glauben, dass Veränderung möglich ist. Diesen Geist sehe ich in der jungen Generation.

Mit zunehmendem Alter und wachsender Lebenserfahrung beginnt man vorsichtiger zu kalkulieren. Man denkt: Das könnte scheitern, jenes vielleicht auch. Wir brauchen beides: die Erfahrung älterer Menschen und die Energie der Jüngeren. Wenn es gelingt, diese beiden Kräfte auf einer gemeinsamen Plattform zusammenzubringen, bin ich wirklich hoffnungsvoll.

Was braucht die Jugendbewegung, um ihre Werte in die Praxis umzusetzen?

Das erfordert kontinuierliche Arbeit auf vielen Ebenen. Dazu gehört, Ideen zu entwickeln, wie wir unsere Systeme verändern können, und sie öffentlich zur Diskussion stellen.  Das ist ein fortlaufender Prozess. Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Beobachtung des staatlichen Handelns.

Früher glaubte in Nepal niemand, dass es möglich wäre, mächtige Personen vor Gericht zu bringen. Die Gesellschaft war so hierarchisch geprägt, dass es unvorstellbar erschien, dass Opfer Autoritäten herausfordern könnten. Doch wir haben viele dieser Barrieren durchbrochen. Wir haben viele wichtige Fälle vor Gericht gebracht und zahlreiche Missstände aufgedeckt.

Einer der ersten Fälle, an denen wir arbeiteten, betraf ein fünfzehnjähriges Dalit-Mädchen, Maina Sunuwar. Sie war verhaftet, inhaftiert und getötet worden. Das Gericht verurteilte drei Militäroffiziere. Der Fall erinnert bis heute daran, dass man Menschen nicht einfach töten darf, weil sie einer Dalit-Gemeinschaft angehören.

Was sind die nächsten Barrieren, die es zu überwinden gilt?

Eines unserer größten Probleme ist die Politisierung staatlicher Institutionen. Posten werden oft nicht nach Qualifikation vergeben, sondern aufgrund von Nepotismus, Loyalität gegenüber einer Partei oder ideologischer Nähe. Das schwächt die Qualität öffentlicher Dienstleistungen erheblich. Viele Menschen bekleiden ihre Position nicht deshalb, weil sie am besten qualifiziert wären, sondern weil sie bestimmten Personen oder politischen Strömungen nahestehen. Deshalb fühlen sie sich oft nicht wirklich der Öffentlichkeit verpflichtet. Diese Kultur zu ändern, gehört zu den größten Herausforderungen.

Menschen in Machtpositionen verhalten sich zudem oft so, als seien sie unantastbar oder stünden über dem Gesetz. Auch diese Mentalität gilt es zu überwinden – durch Gerichtsverfahren, Öffentlichkeit und bürgerschaftliches Engagement. Wer Macht hat, sollte eigentlich stärker rechenschaftspflichtig sein als gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger. Andernfalls werden Rechtsstaatlichkeit und das Vertrauen in demokratische Institutionen geschwächt. Das behindert die Entwicklung des Landes.

Wir müssen zentrale öffentliche Institutionen reformieren und stärken. Diese Arbeit erfordert das Zusammenwirken verschiedener Kräfte. Wir brauchen junge Menschen mit Mut und Leidenschaft, und erfahrene Personen, die sie strategisch beraten und begleiten können. Zudem brauchen wir internationale Unterstützung. Internationale Akteure beeinflussen weiterhin viele Prozesse. Deshalb müssen wir auf verschiedenen Ebenen Bündnisse aufbauen.

Wir brauchen junge Menschen mit Mut und Leidenschaft, aber auch erfahrene Personen, die sie strategisch beraten und begleiten können. Zudem brauchen wir internationale Unterstützung. Internationale Akteure beeinflussen nach wie vor viele Prozesse. Daher brauchen wir Bündnisse auf verschiedenen Ebenen.

Welche Reformen wünschen Sie sich im Justizsystem?

Wir haben eine Reihe konkreter Vorschläge erarbeitet. Ein wichtiges Thema ist die Ernennung, Beförderung und interne Rechenschaftspflicht von Richterinnen und Richtern. Unser Judicial Council – das Gremium, das für Richter-Ernennungen zuständig ist – wird stark von politischen Interessen beeinflusst. Seine Struktur muss verändert werden. In der Praxis werden Positionen häufig unter den Regierungsparteien aufgeteilt. In manchen Ländern mögen politische Ernennungen nicht zwangsläufig problematisch sein. In Nepal jedoch schwächen sie die Rechenschaftspflicht, weil Richter oft eher politischen Netzwerken als der Öffentlichkeit verpflichtet bleiben.

Richterinnen und Richter sollten auf den unteren Ebenen durch offene Wettbewerbsverfahren ausgewählt und anschließend auf Grundlage von Leistung und Qualifikation befördert werden. Das ist eines der Reformmodelle, die wir vorschlagen.

Zudem gibt es weit verbreitete Vorwürfe der Korruption innerhalb der Justiz. Derzeit sind Richter während ihrer Amtszeit weitgehend vor Ermittlungen geschützt. Ursprünglich sollte diese Immunität die richterliche Unabhängigkeit sichern. Wenn jedoch glaubwürdige Hinweise auf Korruption oder Fehlverhalten vorliegen, darf eine Untersuchung nicht ausgeschlossen sein. Die Kontrollmechanismen müssen deutlich gestärkt werden.

Und im Polizeisystem?

Auch für die Polizei haben wir ähnliche Reformvorschläge entwickelt. Wir haben die strukturellen Probleme analysiert und untersucht, wie andere Länder vergleichbare Herausforderungen angegangen sind. Dazu gehört beispielsweise, die Achtung der Menschenrechte als Leitprinzip in der Polizeiarbeit und in den Gefängnissen zu verankern.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, denn inzwischen haben viele erkannt, dass institutionelle Reformen notwendig sind, wenn wir die Regierungsführung verbessern wollen.

Deshalb brauchen wir koordinierte Anstrengungen, gemeinsam mit der jungen Generation, sowie ein starkes institutionelles Engagement. Mit dynamischen Plattformen, besserer Unterstützung und ausreichenden Ressourcen wird dies möglich sein.

Vielen Dank für das Interview, Mandira Sharma.

Die von Jugendlichen getragene Protestbewegung von 2025

Im September 2025 erlebte Nepal die größte Protestwelle seit fast zwei Jahrzehnten. Die Demonstrationen wurden vor allem von jungen Menschen getragen, viele von ihnen Angehörige der Generation Z. Sie spiegelten die wachsende Unzufriedenheit mit Korruption, politischer Instabilität und dem Versagen der etablierten Parteien wider, dringend notwendige Reformen durchzuführen.
Anders als frühere Massenbewegungen organisierte sich der Protest vor allem über digitale Netzwerke und soziale Medien. Die Teilnehmenden forderten mehr politische Rechenschaftspflicht und die Überwindung von Korruption und Vetternwirtschaft. Viele verlangten bessere Bildungs- und Beschäftigungschancen für jüngere Generationen.
Die Protestbewegung trug zu einer umfassenden politischen Neuordnung bei, und zur Bildung einer neuen Regierung im März 2026. Die Mobilisierung – häufig als modernes Jana Andolan und von einigen Beteiligten als Gen Z Andolan bezeichnet – hat den politischen Diskurs in Nepal nachhaltig verändert und die öffentliche Diskussion über demokratische Rechenschaftspflicht und gute Regierungsführung neu belebt.
Die zentrale Herausforderung besteht nun darin, demokratische Institutionen und Prozesse zu stärken, einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Beschäftigung auszubauen und eine Verwaltung zu schaffen, die sich an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientiert.